Diese Seite wird laufend aktualisiert und erweitert; Stand: 22.05.2020

Regionalwirtschaftliche Folgen des Corona-Virus

Nachdem die Konjunktur seit Jahresbeginn wieder leicht angezogen hat, setzt der Corona-Virus der deutschen Wirtschaft nun merklich zu. Von Umsatzrückgängen im stationären Handel (ohne Lebensmittel), ausbleibenden und stornierten Buchungen im Tourismus bis zum Produktionsstopp in der Automobilwirtschaft sind die Auswirkungen spürbar.

Wie groß die wirtschaftlichen Folgen sein werden, kann derzeit niemand verlässlich beantworten. Entscheidend wird sein, wie viele Menschen sich infizieren und wie lange das Virus die Aktivitäten der Betriebe merklich beeinflusst. Klar ist: Die räumliche Betroffenheit in Deutschland wird höchst unterschiedlich ausfallen, da die aktuelle Verbreitung des Corona-Virus eine regionale Dimension aufweist die Branchenstrukturen regional stark unterschiedlich sind.

Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI), für Niedersachsen bis zum 16.03.2020: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA); Darstellung: CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH, Stand: 22.05.2020

Quelle: Robert-Koch-Institut (RKI), für Niedersachsen bis zum 16.03.2020: Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA); Statistisches Bundesamt, Einwohnerstand am 31.12.2018; Darstellung: CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH, Stand: 22.05.2020


Ab dem 17.03.2020 werden vom RKI ausschließlich die elektronisch übermittelten Fälle dargestellt. Abweichungen zu Angaben der Landesgesundheitsämter sind daher möglich. Ferner ist zu beachten, dass zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das jeweilige Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI einige Tage vergehen können (Melde- und Übermittlungsverzug).

Aus technischen Gründen wurden am 25.03.2020 keine Daten aus Hamburg übermittelt. Am 27.03.2020 wurden keine Daten aus Sachsen-Anhalt übermittelt. Am 28.03.2020 wurden keine Daten aus Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland übermittelt. Am 29.3.2020 wurden keine Daten aus Sachsen-Anhalt übermittelt. Am 20.04.2020 ergibt sich für Schleswig-Holstein eine negative Differenz, die durch die Umstellung auf eine neue Softwareversion bedingt ist. Am 21.04.2020 wurden keine Daten aus Hamburg übermittelt. Am 11.05.2020 wurden aus einem Landkreis in Baden-Württemberg ca. 150 Fälle weniger gemeldet, als am Vortag. Am 12.05.2020 wurden aus einem Landkreis in Baden-Württemberg 148 Fälle, die am 10.05.2020 weniger übermittelt worden waren, korrigiert und wieder übermittelt. Die Daten aus Hamburg wurden erneut validiert, sodass im Vergleich zum Vortag 180 Fälle mehr gezählt werden, die jedoch auch schon länger zurückliegende Meldedaten haben. In Schleswig-Holstein wurden Einzelfälle korrigiert, daher wird 1 Fall weniger als am Vortag ausgewiesen. Am 16.05.2020 wurden aus Rheinland-Pfalz keine Daten übermittelt. Am 21.05.2020 wurden keine Daten aus Baden-Würtemberg empfangen.

Das Instrument der Kurzarbeit

Bereits seit Jahren existiert in Deutschland mit der Kurzarbeit ein Instrument, um vorübergehende Unterauslastungen in Betrieben zu kompensieren und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Bei der Kurzarbeit werden die regelmäßige Arbeitszeit und entsprechend die Vergütung zeitweilig reduziert. Neben dem verringerten Entgelt erhalten die betroffenen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld als Entgeltersatzleistung von der Bundesagentur für Arbeit. Dabei kann die Arbeitszeit anteilig oder vollständig verringert werden. Kurzarbeit kann alle Mitarbeiter oder nur Teile der Belegschaft betreffen. Antragsberechtigt sind alle Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtig Beschäftigten.

Rückwirkend zum 1. März 2020 hat die Bundesregierung die Beantragung und den Leistungsumfang der Kurzarbeit infolge der Corona-Krise geändert. Durch diesen wichtigen Schritt sollen Entlassungen und Insolvenzen verhindert werden. Entgegen den bisherigen Regelungen können Betriebe Kurzarbeit schon beantragen, wenn nur zehn Prozent der Beschäftigten von einem Arbeitsausfall betroffen sind. Den Arbeitgebern werden zudem die Sozialversicherungsbeiträge, die sie bei Kurzarbeit zu zahlen haben, in voller Höhe erstattet.

Entwicklung der Kurzarbeit in Deutschland

Die Entwicklung der Kurzarbeit vermittelt einen ersten Eindruck der Betroffenheit durch konjunkturelle Einflüsse und Schocks, wie der Corona-Pandemie. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass endgültige Zahlen nur bis zum August 2019 vorliegen. Aktuellere Informationen sind Hochrechnungen bzw. Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit.

Nach einem starken Anstieg der Kurzarbeit während der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2009 sind die Zahlen in den letzten zehn Jahren aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung in Deutschland konstant niedrig gewesen. Erst ab dem zweiten Quartal 2019 ist die Zahl der kurzarbeitenden Betriebe langsam angestiegen, da die konjunkturellen Rahmenbedingungen nachgelassen haben. Im vierten Quartal des letzten Jahres ist ein starker Anstieg zu verzeichnen, der im Dezember geringfügig rückläufig war. Mit dem Jahresbeginn 2020 sind die Zahlen wieder deutlich angestiegen. Es bleibt in den kommenden Wochen abzuwarten, wie sich die Zahl vor dem Hintergrund der Corona-Krise und der veränderten Regelungen zur Kurzarbeit weiter entwickeln wird und welche Branchen besonders betroffen sein werden. Nach ersten Informationen sind die Anträge bereits um ein Vielfaches gestiegen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand: Februar 2020; Darstellung CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH

Kleinstbetriebe in Deutschland

Die mediale Berichterstattung – nicht nur während der Corona-Krise - wird häufig von Entwicklungen und Entscheidungen großer Unternehmen geprägt. Das ist aus Sicht des Arbeitsmarktes auch richtig, weil im Jahr 2019 (30.06.) Betriebe mit 500 oder mehr Beschäftigten zwar nur 0,3% aller Betriebe ausmachen, gleichzeitig aber 22% aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stellen.

Demgegenüber werden Kleinstbetriebe mit bis zu 5 Beschäftigten häufig weniger beachtet. Zwar sind in diesen Betrieben bundesweit nur rund 9% aller Beschäftigten tätig, aber Kleinstbetriebe machen fast zwei Drittel aller Betriebe aus. Diese Kleinstbetriebe verfügen häufig über weniger Rücklagen und sind dementsprechend eher von Umsatz- und Auftragsrückgängen gefährdet.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Trotz der bereits eingeleiteten Maßnahmen der Bundesregierung zur Vereinfachung und Ausweitung der Kurzarbeit, einer Lockerung der engen Insolvenzantragspflichten und Kreditprogrammen, ist keinesfalls auszuschließen, dass es zu steigenden Arbeitslosenzahlen kommt.

In den letzten Jahren ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland kontinuierlich gesunken, wie ein Blick auf die jahresdurchschnittlichen Arbeitslosenzahlen zeigt. Dabei kommt es unterjährig stets zu saisonaler Arbeitslosigkeit, beispielsweise im Baugewerbe oder in der Landwirtschaft, die in der Regel im Januar ihren Höchststand hat. So ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland zum Jahresbeginn 2020 nochmals angestiegen, hat aber im Februar wieder einen Rückgang erfahren.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Stand: Februar 2020; Darstellung CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH

Entwicklung im Tourismus

Der Tourismus ist eine der derzeit am stärksten betroffenen Branchen, angefangen von ausgefallenen Flügen, Kreuzfahrtschiffen in den Häfen bis hin zu Reiseverboten von Touristen und entsprechenden temporären Schließungen von Hotels.

In den letzten Jahren ist die Zahl der Gästeankünfte in deutschen Beherbergungsbetrieben kontinuierlich gestiegen, wobei die Sommermonate eindeutig die Spitzenmonate sind. Die niedrigste Zahl an Gästeankünften ist stets im Januar zu beobachten. Das wird auch im Jahr 2020 anders aussehen, da nach ersten Schätzungen der CIMA die Gästeankünfte im April aufgrund der Corona-Krise gravierend einbrechen dürften.

Quelle: Statistisches Bundesamt, Stand: März 2020; Schätzungen und Darstellung CIMA Institut für Regionalwirtschaft GmbH

 

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Fabian Böttcher (boettcher@cima.de)